Die Geschäftsführung entscheidet sich für einen KI-Assistenten und kauft Lizenzen für die gesamte Belegschaft. Drei Monate später laufen die privaten ChatGPT-Konten trotzdem weiter, weil das neue Tool kompliziert wirkt oder niemand den Umstieg erklärt hat. Die IT-Leitung merkt das oft erst, wenn eine Rechnung über eine private Kreditkarte auftaucht oder der Datenschutzbeauftragte wissen will, woher ein Kundendokument stammt.
Mit der Qualität des Modells hat das wenig zu tun. Die eigentliche Entscheidung hängt am Vertrag, am Datenort und daran, wie gut sich ein Werkzeug in Ihre vorhandene IT einfügt.
Unten stehen Claude, ChatGPT, Microsoft 365 Copilot und Langdock nach Preis, Datenort, Auftragsverarbeitung und Verwaltbarkeit nebeneinander, als Teil der größeren Entscheidung über Automatisierung und KI im Unternehmen. Eine Empfehlung für alle steht am Ende nicht, weil die richtige Wahl von Ihrer IT abhängt. Dafür bekommen Sie eine Matrix, mit der Sie die Wahl selbst treffen können.
Warum die Modellfrage in die Irre führt
Eine eigene Auswertung von Google Trends (Deutschland, 12 Monate bis 27.09.2026) zeigt, dass sich das Suchinteresse an „Claude“ in diesem Zeitraum ungefähr verfünffacht hat. Wer nach „Claude vs. ChatGPT“ sucht, landet allerdings meist bei Vergleichen von Antwortqualität und Kontextfenster. Für ein Unternehmen ist das die falsche Ebene, denn das Modell kann morgen ein anderes sein, der Vertrag bleibt.
Drei Fragen entscheiden mehr als jeder Modellvergleich: wie tief Ihr Unternehmen bereits in Microsoft 365 steckt, wie viel Kontrolle über den Datenort Sie brauchen und ob Sie sich einen späteren Modellwechsel offenhalten wollen.
Die DSGVO-Prüfung bleibt bei Ihnen
Auf die Frage „Ist ChatGPT DSGVO-konform?“ gibt es keine pauschale Antwort, für Claude, Microsoft 365 Copilot und Langdock genauso wenig. Die Datenschutzkonferenz hält in ihrer Orientierungshilfe „Künstliche Intelligenz und Datenschutz“ vom 6. Mai 2024 fest: Setzt ein Unternehmen die KI-Anwendung eines externen Anbieters als Cloud-Lösung ein, entsteht häufig ein Auftragsverarbeitungsverhältnis nach Art. 28 f. DSGVO. Dann muss es mit dem Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag abschließen (Rn. 32).
Wie sehr die Bewertung vom Vertragsstand abhängt, zeigen die Aufsichtsbehörden bei Microsoft 365. Die Datenschutzkonferenz erklärte 2022, der Nachweis eines datenschutzkonformen Betriebs sei „nicht geführt“. Der Hessische Beauftragte für Datenschutz kam am 15. November 2025 zum gegenteiligen Schluss, geprüft anhand des Datenschutznachtrags vom 1. September 2025.
Beide Bewertungen gelten der Plattform insgesamt, und Copilot wird im 137-seitigen hessischen Bericht kein einziges Mal erwähnt. Wer Copilot mit dem hessischen Ergebnis absichern will, stützt sich also auf ein Papier, das Copilot gar nicht bewertet.
Der Auftragsverarbeitungsvertrag ist bei allen vier Anbietern die Mindestvoraussetzung; die eigentliche Prüfung beginnt danach. Die zweite Prüffrage der Datenschutzkonferenz lautet, ob Ein- und Ausgabedaten zum Training verwendet werden (Rn. 24). Claude, ChatGPT, Microsoft 365 Copilot und Langdock verzichten laut eigener Dokumentation standardmäßig auf Training mit Geschäftsdaten.
An diesem Punkt unterscheiden sich die vier also nicht. Lesen Sie trotzdem das Kleingedruckte hinter „standardmäßig“: Bei Claude gilt der Verzicht nicht für Feedback, das steht auch in der Tabelle.
Claude, ChatGPT, Microsoft 365 Copilot und Langdock im Vergleich
Microsoft hat das Produkt inzwischen in „Microsoft Copilot“ umbenannt, die Preisseiten führen aber weiter „Microsoft 365 Copilot“. Bei diesem Namen bleiben wir hier. Stand ist der 29. September 2026. USD-Preise gelten ohne Umsatzsteuer, die EUR-Preise für Copilot und Langdock zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Wo ein Anbieter eine Angabe öffentlich nicht macht, steht das so in der Tabelle. Geraten wird hier nicht.
Vergleich
KI-Assistenten für Unternehmen im Vergleich
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| Kriterium | Claude Team | Claude Enterprise | ChatGPT Business | ChatGPT Enterprise | Microsoft 365 Copilot | Copilot Chat | Langdock Business |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Preis pro Nutzer/Monat (jährlich) | 20 USD Standard, 100 USD Premium | 20 USD Platz + API-Nutzung | 20 USD Standard, 100 USD Premium | Offen: nur über Vertrieb, kein Listenpreis | 18,20 € (Aktion 15,60 € bis 31.12.2026), Enterprise 26,00 € | im berechtigten M365-Plan enthalten | 20 € Standard, 79,20 € Max |
| Mindestplätze | 2 (bis 150) | 20 | 2 | Offen: öffentlich nicht angegeben (Stand 29.09.2026) | Offen: öffentlich nicht angegeben (Stand 29.09.2026) | – | Offen: öffentlich nicht angegeben (Stand 29.09.2026), bis 1.000 Nutzer |
| Datenort | USA, Routing auch EU/Asien/Australien | USA, optional US-only-Inferenz (1,1× API-Preis) | wählbar beim Checkout, u. a. Europa; US-Kopie für Safety-Monitoring bleibt | Europa, UK, USA, Japan wählbar; optionale GPU-Inferenz in Europa | EU Data Boundary; Flex Routing kann bei Lastspitzen in USA/Kanada/Australien ausweichen, Anthropic-Modelle sind ausgenommen | wie Microsoft 365 Copilot | EU über Microsoft Azure; Standardmodelle EU, weitere admin-freischaltbar |
| AVV | AVV automatisch Teil des Vertrags | automatisch im Vertrag | AVV über Formular | über Formular, OpenAI Ireland Ltd. | Microsoft-DPA | wie Microsoft 365 Copilot | automatisch im Vertrag (DPA v2.1) |
| Training auf Kundendaten | Nein (außer Feedback) | Nein (außer Feedback) | Nein | Nein | Nein | Nein | Nein |
| SSO/SCIM | SSO ja, SCIM nein | SSO ja, SCIM ja | SSO ja, SCIM nein | SSO ja, SCIM ja | Offen: SSO über Entra ID; SCIM öffentlich nicht angegeben (Stand 29.09.2026) | wie Microsoft 365 Copilot | SSO ja, SCIM ja |
| Audit-Logs | Einschränkung: Nein | Ja, 180 Tage | Offen: Aufbewahrung und Audit-Log öffentlich nicht angegeben (Stand 29.09.2026) | Ja, Compliance API, 30 Tage | Ja, Purview-Audit | wie Microsoft 365 Copilot | Ja, Audit-Log-API, 90 Tage |
| M365-Integration | Connector: SharePoint, OneDrive, Outlook, Teams | wie Team | SharePoint-App, OAuth pro Nutzer | SharePoint inkl. Admin-Sync | nativ über Microsoft Graph | kein Zugriff auf Organisationsinhalte | SharePoint, OneDrive, Outlook, Teams, Excel, Planner |
Die gewählten Optionen unterscheiden sich in keinem Kriterium.
Einschränkung offen oder nicht belegt
Beim Preis nehmen sich Claude und ChatGPT nichts: Beide verlangen im Einstiegsplan 20 US-Dollar pro Platz und Monat bei jährlicher Zahlung, beide starten ab zwei Plätzen. Unterscheiden müssen Sie also woanders, vor allem beim Datenort. Microsoft 365 Copilot ist ein Dienst der EU Data Boundary, mit Ausnahmen wie Flex Routing und zugeschalteten Anthropic-Modellen, und Langdock hostet die Plattform selbst in der EU.
Welches Produkt zu welcher IT-Umgebung passt
Die Matrix übersetzt die acht Kriterien aus der Tabelle in fünf typische Ausgangslagen. Suchen Sie sich die Zeile, die Ihrer IT am nächsten kommt.
| Ausgangslage | Passendes Produkt | Warum |
|---|---|---|
| Tief in Microsoft 365 integriert, Copilot-Budget ohnehin vorhanden | Microsoft 365 Copilot oder Copilot Chat | nativer Graph-Zugriff, EU Data Boundary, kein zusätzlicher Anbieter im Stack |
| Datenort muss für alle genutzten Modelle in der EU liegen | Langdock | Plattform und Standardmodelle in der EU gehostet, globale Modelle nur nach Freischaltung |
| Mehrere Modelle parallel nutzen, Wechseloption offenhalten | Langdock mit BYOK oder Claude/ChatGPT direkt | Modellwahl pro Workspace statt Bindung an einen Anbieter |
| Kleines Team, schneller Einstieg ohne Microsoft-Bindung | Claude Team oder ChatGPT Business | ab zwei Plätzen buchbar; AVV bei Claude automatisch Teil des Vertrags, bei ChatGPT über Formular |
| Audit-Log-Pflicht für eine anstehende Zertifizierung | Claude Enterprise, ChatGPT Enterprise, Microsoft 365 Copilot oder Langdock | alle vier bieten Enterprise-Audit, Fristen unterscheiden sich |
Erledigen Ihre Leute den größten Teil der Arbeit schon heute in Outlook, Teams und SharePoint, bringt Microsoft 365 Copilot die geringste Reibung, weil kein zusätzlicher Anbieter in den Vertragsstapel kommt. Brauchen Sie dagegen EU-Hosting über die gesamte Modellauswahl oder wollen mehrere Anbieter parallel testen, ist Langdock unter den vier Produkten die naheliegende Option.
Fünf Fragen für Ihre Entscheidung
Beantworten Sie diese fünf Fragen, bevor Sie Lizenzen kaufen. Sie gelten für jedes der vier Produkte:
Checkliste
Fünf Fragen vor der Entscheidung
0 von 5 geklärt
Auswertung
- 0–2 von 5 geklärt: Bleiben mehr Fragen offen als geklärt, ordnen wir das in einem kostenlosen Erstgespräch ein: 15 Minuten, ohne Vorbereitung Ihrerseits. Termin wählen
- 3–4 von 5 geklärt: Offene Antworten sind normal – sie zeigen, wo als Nächstes nachgefragt werden muss.
- Alle 5 geklärt: Alle fünf Fragen sind klar beantwortet: Damit haben Sie die Grundlage für die Entscheidung bereits.
Jede Frage, auf die Sie keine Antwort haben, zeigt Ihnen, wo Sie vor der Unterschrift nachhaken müssen.
Was kein Anbieter für Sie löst
Auch das passende Produkt löst drei Probleme nicht von selbst. Das erste ist die Szene vom Anfang, die Schatten-KI. Solange private Konten parallel weiterlaufen, bleibt unkontrolliert, welche Daten abfließen, egal wie sauber die Unternehmenslösung aufgesetzt ist. Eine KI-Richtlinie regelt, welche Daten in welches Tool dürfen, und macht diese Regel für alle Mitarbeitenden sichtbar.
Das zweite ist die Rechtevergabe in Microsoft 365 selbst. Microsoft 365 Copilot zeigt nur, was ein Nutzer ohnehin öffnen darf. Sind die Berechtigungen zu weit gefasst, vererbt sich das Problem in jede Antwort.
Das dritte ist die gesetzliche Pflicht dahinter: Seit dem 27. Juli 2026 verlangt Art. 4 der KI-Verordnung in der Fassung des Digital Omnibus, dass Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals zu unterstützen. Ein bestimmtes Niveau schreibt die Norm nicht mehr vor, die Pflicht selbst bleibt. Welches der vier Produkte Sie wählen, ändert daran nichts.
Fazit: Der Vertrag hält länger als das Modell
Ob Claude, ChatGPT, Microsoft 365 Copilot oder Langdock, ist vor allem eine Frage des Vertrags, des Datenorts und der Anbindung an Ihre IT. Wer die Auswahl an der Modellqualität festmacht, verhandelt am falschen Punkt und merkt es erst beim Audit oder bei der nächsten Preiserhöhung.
Prüfen Sie stattdessen Datenort, AVV, Trainingsklausel und Verwaltbarkeit gegen Ihre eigene IT-Umgebung. Dann trägt die Entscheidung auch in einem Jahr noch, selbst wenn sich die Modelle darunter längst geändert haben. Diese Prüfung kostet Zeit, bevor überhaupt eine Lizenz gekauft ist. Die Szene vom Anfang verhindert sie allein nicht, dafür braucht es zusätzlich die Richtlinie. Aber sie senkt das Risiko, Lizenzen für ein Werkzeug zu bezahlen, das nicht zu Ihrer IT passt.
Fangen Sie diese Woche mit einer Liste an: Fragen Sie in den Teams, wer welches KI-Tool nutzt, ausdrücklich auch kostenlose und privat bezahlte. Das dauert wenige Stunden und zeigt Ihnen, wie weit offizielle und tatsächliche Nutzung auseinanderliegen.
Können Sie danach alle fünf Fragen von oben klar beantworten, haben Sie die Grundlage für die Entscheidung schon und brauchen uns dafür nicht. Bleiben mehr Fragen offen als beantwortet, sortieren wir das mit Ihnen in einem kostenlosen Erstgespräch. In 15 Minuten klären wir, welches der vier Produkte zu Ihrer Microsoft-365-Umgebung und Ihren Datenschutzanforderungen passt. Vorbereiten müssen Sie dafür nichts. Einen Termin wählen Sie direkt im Kalender.
Häufige Fragen
Was kostet Claude im Vergleich zu ChatGPT?
Im Einstiegsplan gleich viel: Claude Team und ChatGPT Business kosten 20 US-Dollar pro Platz und Monat bei jährlicher Zahlung, 25 US-Dollar bei monatlicher Abrechnung, jeweils zuzüglich Steuern. Der Premium-Platz kostet bei beiden 100 US-Dollar jährlich beziehungsweise 125 US-Dollar monatlich. Claude Enterprise berechnet zum Platzpreis zusätzlich die tatsächliche API-Nutzung, ChatGPT Enterprise gibt es nur über den Vertrieb.
Ist ChatGPT Business datenschutzkonform?
Pauschal lässt sich das nicht sagen, weil die Datenschutzkonferenz für jede Cloud-KI eine Prüfung im Einzelfall verlangt. Belegt sind ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit OpenAI Ireland Ltd., standardmäßig kein Training mit Geschäftsdaten und eine wählbare Speicherregion. Eine Kopie jedes Prompts bleibt dabei zusätzlich für eine begrenzte Zeit in den USA, und eine reine EU-Inferenz gibt es nicht.
Ist Microsoft Copilot sinnvoll?
Am ehesten dann, wenn Ihr Unternehmen ohnehin in Outlook, Teams und SharePoint arbeitet und die Datenschutzanforderungen zur EU Data Boundary passen. Microsoft Copilot greift direkt über Microsoft Graph auf E-Mails, Chats, Dokumente und Kalender zu, für die ein Nutzer bereits Leserechte hat, und läuft als EU-Data-Boundary-Dienst. Bei Lastspitzen kann die Verarbeitung über Flex Routing trotzdem in die USA, nach Kanada oder Australien ausweichen.
Werden Daten von ChatGPT weitergegeben?
Zum Training nutzt OpenAI Geschäftsdaten aus ChatGPT Business und Enterprise laut eigener Aussage standardmäßig nicht. Im Rahmen des Auftragsverarbeitungsvertrags dürfen Daten an Unterauftragsverarbeiter weitergegeben werden. Gelöschte Unterhaltungen entfernt OpenAI innerhalb von 30 Tagen, sofern keine gesetzliche Aufbewahrungspflicht entgegensteht.
Quellen
- Datenschutzkonferenz (2024), Orientierungshilfe „Künstliche Intelligenz und Datenschutz“, Version 1.0, 06.05.2024. Verfügbar unter: datenschutzkonferenz-online.de
- Hessischer Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit (2025), Bericht zur Prüfung von Microsoft 365, 15.11.2025. Verfügbar unter: datenschutz.hessen.de
- Anthropic, Claude Pricing. Verfügbar unter: claude.com/pricing
- Microsoft, Microsoft 365 Copilot Preise. Verfügbar unter: microsoft.com/de-de
- Langdock, Pricing. Verfügbar unter: langdock.com/pricing